Mühlhausener blicken in Vergangenheit

Dienstag, 25. März 2008

Ausstellung - Ein Arbeitskreis hat allerhand Exponate aus alten Tagen zusammengesucht. Gestern waren die Stücke zum ersten Mal zu sehen. Die Sammlung widmet sich Alltag, Religion und Politik.

Mühlhausen
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Wie sah er aus, so ein Waschtag anno dazumal? Da wurde geschrubbt, gerubbelt, gestampft und ein Kessel voll Wasser aufgeheizt. Das Modernste an Technik war noch eine Mangel, durch die das brettharte Leinenbetttuch im Schweiße des Angesichts gedreht wurde. Alles gar nicht so lange her, wie eine Ausstellung zeigt, die am Ostermontag als weitere Attraktion der 1000-Jahr-Feier in der Marktgemeinde eröffnet wurde.

1000jahre Mühlhausen_Ausstellung
Otto Pröls Aug in Aug mit einem Uniformierten. Auf der Pickelhaube steht "In Treue fest".
- alle Fotos: Evi Seeger -

Dafür hatte der „Arbeitskreis Antike“ unter der Leitung von Otto Pröls alles zusammengetragen, was auf Dachböden, in Kellern, Scheunen und Speichern aus der 1000-jährigen Geschichte der Marktgemeinde noch zu finden war. Das war nicht wenig! Vieles aus der Zeit der Eltern und Großeltern kam den Besuchern noch bekannt vor. War sie wirklich so gut, die gute alte Zeit, wird sich beim Anblick der „technischen Geräte“ von einst manch ein Besucher gefragt haben? Machen sich doch die alten „Bulldogs“ – im Vergleich zu den heutigen – wie Spielzeuge aus. Dennoch waren sie einmal der Gipfel moderner Agrartechnik.

1000jahre Mühlhausen_Ausstellung2Otto Pröls und sein Team, leicht an ihren historischen Gewändern zu erkennen, führten die Besucher durch die Ausstellung. Da gab es jede Menge Zeitungen aus der Zeit von 1914 bis 1945. Die älteste, eine „Festzeitung“, erinnerte an die „25-jährige Wiederkehr der ruhmreichen Tage von 1870/71“ (Deutsch-Französischer Krieg). Geschäftsbücher und Kaufverträge lassen längst vergessene Kaufleute und Handwerksbetriebe vor dem geistigen Auge wieder erstehen.

                                                                                             An der Wand hängen die Werkzeuge von Handwerkern.


Gebets- und Andachtsbücher beider Konfessionen geben Auskunft über das religiöse Leben. Auch eine Sammlung von Hausbibeln, Devotionalien und religiösen Bildern hat der Arbeitskreis zusammengetragen. Raritäten dürften die alten Ofenplatten aus Gusseisen sein, die, mit einem Spruch versehen, sogar Kachelöfen zu einer Aussage verhalfen.

1000jahre Mühlhausen_Ausstellung3Ein Bild verweist auf die Ursprünge des SPD-Ortsvereins. Es wurde 1913 zum „50. Jahrestag der Gründung der deutschen Sozialdemokratie“ aufgelegt. Wer Lust verspürt, darf in einer harten, engen Schulbank die Leiden von Generationen von Schülern nachempfinden. Es sei denn, er hält es für romantischer, sich das flackernde Licht einer Petroleumlampe vorzustellen. Die Menge an Ackergeräten, die in der Scheune auf Besucher wartet, entlockt dem Agrartechniker von heute allenfalls noch ein Lächeln.
So sah die Leibwäsche früher aus, und so wurde sie gewaschen.

Ebenso die Werkstätten von Handwerkern, die im hoch technisierten Zeitalter von heute längst ausgestorben sind.

Einen Sonntag im Monat zu sehen

Eine wirklich sehenswerte Ausstellung, die künftig einen Sonntag im Monat ihre Pforten im Anwesen Dingfelder an der Bamberger Straße geöffnet ist. Nächster Öffnungstag ist Sonntag, 20. April. Sonderführungen für Gruppen oder Schulklassen sind möglich. Anmeldung erwünscht bei Otto Pröls, Telefon 09548/1214.